Margit Gutmann in Bonn: Quechua-Erzählungen werden zum literarischen Gewebe


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Quechua-Erzählungen aus den Anden: Wenn Worte zu einem kulturellen Gewebe werden
Am Montag, 9. November 2026, lädt der Ibero-Club Bonn zu einem besonderen literarisch-anthropologischen Abend in den Trinkpavillon im Stadtpark Godesberg ein. Unter dem Titel Erzählen ist Weben mit Worten stellt die Ethnolinguistin Dr. Margit Gutmann mündliche Quechua-Erzählungen aus einem Dorf in den Anden Perus vor.
Mündliche Literatur als lebendiges Gedächtnis
Im Mittelpunkt steht eine Erzähltradition, in der individuelle Erfahrungen, gemeinschaftliches Wissen, Bräuche, Feste und Rituale miteinander verbunden sind. Wie verschiedenfarbige Fäden in einem gewebten Tuch verdichten sich die Geschichten zu einer Kosmologie, die Alltag und Weltdeutung zusammenführt.
Die Veranstaltung eröffnet einen kenntnisreichen Zugang zur mündlichen Quechua-Literatur und zeigt, welche literarische Qualität in überlieferten Stimmen, Bildern und Erzählmustern liegt. Der Vortrag verbindet Sprachkunst mit kulturwissenschaftlicher Expertise und macht sichtbar, wie Narrative Identität bewahren und Wissen über Generationen weitergeben.
Vier Jahrzehnte Forschung im Dialog mit den Erzählerinnen und Erzählern
Dr. Margit Gutmann erforscht seit mehr als 40 Jahren die mündlichen Quechua-Erzählungen. In den 1980er-Jahren lebte sie vier Jahre im Dorf Pomacanchi und kehrt bis heute regelmäßig dorthin zurück. Bäuerinnen und Bauern erzählten ihr auf Quechua ihre vielfältigen Geschichten und ließen sie an ihrem Alltagsleben sowie an ihren Gebräuchen, Festen und Ritualen teilhaben.
Diese langjährige Feldforschung verleiht dem Abend eine besondere Autorität. Die Lesungs-Atmosphäre entsteht nicht allein durch vorgetragene Texte, sondern durch die Begegnung mit einer sprachlichen und kulturellen Welt, deren Erzählformen eng mit sozialem Leben und gemeinschaftlicher Erinnerung verbunden sind.
Neue Bände über Pomacanchi
Gutmann stellt außerdem die 2026 erschienenen beiden Bände Der Qanchi Machu lebt noch. Mündliche Quechua-Erzählungen aus einem Dorf in den Anden Perus vor. Die Publikation eröffnet einen Zugang zum Leben in Pomacanchi und zu den Botschaften, die in den Quechua-Erzählungen weiterwirken.
Für Literaturinteressierte, Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie alle neugierigen Zuhörerinnen und Zuhörer bietet der Vortrag eine seltene Autor-Begegnung mit einer mündlichen Literatur, die zwischen Erinnerung, Gemeinschaft und Weltanschauung vermittelt.
Ein literarisches Erlebnis in besonderer Atmosphäre
Der Trinkpavillon im Stadtpark Godesberg bildet den passenden Rahmen für diesen Abend: einen Ort des Austauschs, an dem Sprache nicht als bloßes Schriftzeugnis erscheint, sondern als lebendige Handlung. Die Stimme, der Rhythmus und die Vorstellungskraft der Erzählungen machen erfahrbar, wie eng literarische Form und kulturelle Praxis verbunden sind.
Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr und richtet sich an alle, die sich für Literatur, Linguistik, Anthropologie, indigene Kulturen und internationale Erzähltraditionen interessieren.
Fazit: Eine Begegnung mit der Kraft des Erzählens
Erzählen ist Weben mit Worten verspricht einen Abend, an dem mündliche Literatur als kulturelles Gedächtnis und als eigenständige Sprachkunst sichtbar wird. Wer die Quechua-Erzählungen aus Pomacanchi live erleben möchte, findet hier ein eindrucksvolles literarisches Erlebnis zwischen Forschung, Stimme und gemeinschaftlicher Erinnerung.
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